
Von WordPress zu Next.js mit Claude Code
Das Problem mit WordPress
Unsere alte Website lief auf WordPress. Das klingt zunächst harmlos – schließlich betreibt WordPress einen Großteil des Internets. Doch für ein Unternehmen wie Codevibe, das Softwareentwickler:innen trainiert und selbst einen hohen Anspruch an digitale Werkzeuge stellt, wurde WordPress zunehmend zum Hemmschuh.
Die Probleme lagen nicht an WordPress selbst, sondern an der Art, wie moderne KI-Tools mit klassischen CMS-Systemen zusammenspielen – oder eben nicht:
- Änderungen am Layout? Theme-Einschränkungen
- Individuelle Interaktionen? Plugin-Sumpf
- Und vor allem: Kein echter Code, den ein KI-Tool wie Claude Code hätte anfassen können
Stattdessen: PHP-Templates, Gutenberg Blocks und eine Architektur, die für menschliche Klick-Interfaces gebaut wurde, nicht für KI-assistierte Entwicklung.
Das Fazit war klar: Wir wollten eine Website, die wir vollständig kontrollieren – und die wir mit modernen Werkzeugen auch wirklich weiterentwickeln können.
Die Herausforderung
Der Plan schien ambitioniert: Eine individuell programmierte Website auf Basis von Next.js 15 mit App Router, TypeScript, Tailwind CSS v4 und einer headless Content-Architektur.
Das Problem: Weder React, Tailwind noch ein headless CMS gehörten zum unmittelbaren Erfahrungsschatz.
Hier kam Claude Code ins Spiel.
Was ist agentische Entwicklung?
Ein KI-Werkzeug, das nicht nur einzelne Codezeilen vervollständigt, sondern eigenständig im Kontext der gesamten Codebasis handelt.
Claude Code ist kein Autocomplete-Tool. Es ist ein Agent, der:
- die gesamte Codebasis liest und versteht,
- eigenständig Dateien anlegt, bearbeitet und löscht,
- Build-Skripte ausführt und Fehler interpretiert,
- den Browser über Playwright steuert und prüft, ob das Ergebnis stimmt,
- und all das auf Basis natürlichsprachlicher Anweisungen tut.
Der Unterschied zu einem klassischen KI-Assistenten im Chat-Fenster ist erheblich: Während man dort Codeausschnitte einfügt, erklärt und wieder herauskopiert, arbeitet Claude Code direkt im Projekt – mit vollständigem Kontext, ohne Copy-Paste, mit unmittelbarem Feedback.
Wie die Entwicklung tatsächlich ablief
Der Startpunkt war ein leeres create-next-app-Gerüst. Von dort an wurden Anforderungen in natürlicher Sprache beschrieben – auf Deutsch und Englisch – und Claude Code hat sie umgesetzt.
Ein Beispiel: Die Kursseite sollte eine Volltextsuche über Titel, Beschreibung und Typ bieten, URL-Parameter für Deep Links unterstützen und in Echtzeit filtern – ohne Seitenneuladen. Claude Code hat erkannt, dass dafür ein Client Component mit useSearchParams() notwendig ist, einen Suspense-Wrapper drum herum gebaut (weil Next.js das für Client-seitige Navigation erfordert) und die gesamte Such- und Filterlogik mit useMemo optimiert.
Das alles ohne einen einzigen Satz Erklärung über diese Notwendigkeit – Claude Code hat es aus dem Kontext erschlossen.
Was agentische Entwicklung wirklich bedeutet
Das Interessanteste an diesem Projekt war nicht die Technologie, die dabei entstanden ist. Es war die Art zu arbeiten, die sich verändert hat.
Man denkt in Anforderungen, nicht in Implementierungsdetails. Man beschreibt das Was, nicht das Wie. Claude Code übersetzt das in Code, der sich in die bestehende Architektur einfügt – konsistent im Stil, in der Benennung, im Typsystem.
Und das macht einfach Spaß! Es hat mich oft an meine erste Fahrt auf einem E-Bike erinnert, bei der man das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht bekommt.
Fazit
Die neue Codevibe-Website ist ein Beweis dafür, was agentische Entwicklung heute möglich macht: Eine vollständig individuell programmierte, typsichere, headless-CMS-fähige Webanwendung – entwickelt ohne React-Vorkenntnisse, in einem Bruchteil der Zeit, die klassische Entwicklung gebraucht hätte.
Wir leben in einer anderen Ära. Und es ist extrem relevant, diese im Detail kennenzulernen.
Beispielsweise mit unseren Kursen :)